Eine Quelle ist laut Duden „etwas, was Antrieb, (neue) Lebenskraft, Ermutigung verschafft“.

Aus welchen Quellen schöpfen wir Ruhe und Zufriedenheit? Wie fördern wir Ruhe und Gelassenheit bei unseren Mitmenschen? Wir haben in unserem Umfeld gefragt.

Mit den folgenden Antworten laden wir Sie ein, Ihre eigenen Quellen der Ruhe zu finden und zu nutzen. Lassen Sie sich inspirieren von

  • Sr. Katharina, Generaloberin Kloster Oberzell
  • Dennis Peterzelka, Philosoph, Ökonom, Kursteilnehmer
  • Anke Berger-Schmitt, Krankenhausdirektorin Klinik Hohe Mark, Kooperationspartnerin
  • Hubertus Spieler, Geschäftsführer TEAM BENEDIKT, Kursleiter, Weiterbildner DGfS

Was gibt mir Ruhe und Zufriedenheit?

Sr. Katharina: Für mich sind Zeiten der Stille und des Gebetes, Spaziergänge im Freien mit Lauschen auf mich selbst, auf die Natur und auf die Stimme Gottes wichtige Quellen, um ruhig zu werden und inneren Frieden zu finden. In der Schöpfung entdecke ich mich als Teil eines größeren Ganzen, eingebettet und geborgen. Ich erfahre gleichzeitig meine Kleinheit und meine Größe und lerne immer wieder neu zu staunen über Wunder, die wir nicht selbst machen oder produzieren können. Das weckt auch meinen Blick für das, was mir im Alltag geschenkt ist und lässt mich dankbar sein für das, was mich scheinbar selbstverständlich umgibt.

Dennis: Ruhe und Frieden verstehe ich als individuellen mentalen Zustand. Sie stellen sich für mich ein, wenn ich akzeptieren kann, was gerade ist. Das „Jetzt“ anders zu wollen, kostet Energie. Und jede Form des Körpers, Energie für Veränderungen des „Jetzt“ bereitzustellen, korreliert mental mit Angst oder Wut. Das bedeutet also mit Zuständen, die im Gegensatz zu Ruhe und Frieden stehen. Es ist wohl eine lebenslange Lernaufgabe, unterscheiden zu lernen, was das jeweilige Gebot der Stunde ist: Widerstand oder Akzeptanz. Wer diese Unterscheidung meistert, findet Zufriedenheit, worunter ich den langfristigen Zustand des überwiegend „im-Frieden-sein“ verstehe.

Anke: Es erfüllt mich mit Ruhe und ZuFRIEDENheit, wenn ich die unsichtbare, innere Kraft der Schöpfung erlebe und erfahre. Dies begegnet mir in vielerlei Gestalt. Sei es ein grandioses Bergpanorama, die große Weitsicht über das Meer, die erfrischende Energie einer Quelle oder auch nur das Perlen von Wassertropfen, die Freude und Hingabe eines Menschen, wenn der seiner Berufung folgend eine Begabung einsetzen kann oder ich die Tiefe Verbundenheit im Miteinander und Füreinander in der Familie oder dem Team erlebe, sei es der ruhige Moment eines Gebetes und die Erfahrung, dass ich auf Gott vertrauen kann. Das beschreibt folgendes Zitat:     

Quelle der Freude
In allen Dingen liegt eine unerschöpfliche Frische und Reinheit,
eine Stille, die eine Quelle der Tat und der Freude ist.
Sie entspringt in wortloser Sanftheit und fließt aus mir
aus den unsichtbaren Wurzeln aller Geschöpfe
(Thomas Merton)

Hubertus: Zur Ruhe komme ich auf unterschiedliche Weise: Zum einen, wenn ich erschöpft bin, zum Beispiel nach einem arbeits-, erlebnis- oder erfahrungsreichen Tag oder nach einer intensiven Sporteinheit. Ruhe finde ich vor allem auch in der Natur und Zuhause. Und schließlich im Schlaf: Ich bin, Gott sei Dank, gesegnet mit einem guten Schlaf. Frieden finde ich, wenn ich eins bin mit mir und meiner Umwelt. Dieser Zustand stellt sich zum Beispiel beim Meditieren ein als auch an bestimmten Orten und/oder in bestimmten Situationen: Zum Beispiel in der Natur oder auf dem Friedhof – klingt vielleicht komisch, ist aber so und heißt auch so. Friedvolle Situationen ergeben sich zumeist im Kreise meiner Familie oder mit guten Freunden. Zufriedenheit breitet sich vor allem in mir aus, wenn ich mir bewusst mache, welch Glück ich bisher in meinem Leben hatte und habe: Ich fühle mich gesund, meine Frau begleitet mich seit 25 Jahren, wir haben zwei gesunde, kräftige Jungs. Ich darf einen Beruf ausüben, der für mich Berufung ist und ich lebe in einem geordneten, friedlichen Land, indem ich mich sicher fühlen darf, und, und… 

Wie schenke ich anderen Ruhe und Zufriedenheit?

Sr. Katharina: Wenn ich in mir Ruhe und aus meiner Mitte heraus lebe, wirkt sich das auch auf mein Umfeld aus. Ich gehe gelassener in Gespräche, kann Konflikte und Spannungen leichter aushalten, bleibe ruhiger und gefasster, wenn sich Probleme nicht sofort lösen lassen und versuche, Person- und Sachebene zu trennen: Auch wenn ich inhaltlich anderer Meinung bin, kann mein Gegenüber immer noch spüren, dass ich ihn oder sie als Mensch schätze. Diese ganzheitliche Haltung einzunehmen und zu vermitteln, ist mir ein großes Anliegen.

Dennis: Die Grundüberzeugung der indischen Philosophie, dass der Mensch in Frieden ist, wenn ihn nicht Furcht oder Begierde aus diesem Zustand führen, trifft, so glaube ich, einen ganz wesentlichen Aspekt des Menschseins. Frieden zu schenken, bedeutet dann, dabei zu helfen, die mentalen Muster aufzuspüren, die diesen Frieden jetzt gerade verbergen. Ich unterstütze Menschen gerne, indem ich ehrliche und wohlwollende Fragen stelle, die helfen, diese Muster sichtbar zu machen. So entsteht im besten Fall eine innere Klarheit, die wiederum zu Ruhe, Frieden und Zufriedenheit führt.

Anke: Vielen geht es so wie mir. Daher ist der beste Weg, „meine“ Quellen für Ruhe und ZuFRIEDENheit zu teilen, die Schönheit der Schöpfung zu bewahren, Freiräume zu schaffen, seine Begabungen zu entfalten oder Orte zu schaffen, in denen die unsichtbare Kraft unseres Schöpfers erfahrbar und erlebbar werden. Wir pflegen zum Beispiel unseren großen Park der Klinik mit altem Baumbestand, legen Insektenwiesen an. Es gibt einen sprudelnden Brunnen aus Taunusquarzit. Die Klinik liegt im Naturpark Hochtaunus direkt am Waldrand – Naturerlebnis in seiner unermesslichen Vielfalt und Rückzugsräume für die Menschen jenseits der lauten und schnellen Welt. Wir begleiten die Menschen, die einen neuen Weg zu ihrem „inneren, weiten Raum“ suchen, mit Seelsorgeangeboten. Wir gestalten eine Arbeitsplatzkultur auf der Grundlage der Salutogenese mit Führungsinstrumenten, die den Mitarbeitenden ermöglicht, Vertrauen in die Ich-Du-Gott-Beziehung zu fassen und ihre Selbstwirksamkeit zu erleben.

Hubertus: Ruhe schenke ich anderen zunächst einmal, wenn ich selbst Ruhe ausstrahle. Dies gilt vor allem für Situationen, die von Unruhe geprägt sind. Ich sage nicht, dass mir dies immer gelingt. Vielmehr übe ich mich darin, mich daran zu erinnern, wenn es einmal wieder so weit ist, Ruhe zu bewahren. Mit dem Frieden verhält es sich ähnlich: Ich glaube, ein friedvoller Zustand ist durchaus im Positiven ansteckend. Von daher versuche ich immer wieder, meinen eigenen Frieden zu finden und zu machen, vor allem dann, wenn ich mit mir und der Welt im Unfrieden, also unzufrieden bin. Ein tiefes Gefühl von Zufriedenheit erlebe ich im Speziellen beruflich, wenn es mir durch Aufstellungen gelingt, dass sich bei denjenigen, die ihr Anliegen eingebracht haben, mehr Ruhe, Frieden und Zufriedenheit ausbreiten.

 Wir bedanken uns herzlich für die Beiträge und wünschen Ihnen Freude beim Ruhe genießen und Frieden schenken!